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Vor 20 Jahren: Paneuropäisches Picknick bei Sopron
Am 19. August 2009 startet in der ungarischen Grenzstadt Sopron (Ödenburg) am Neusiedler See der Naturathlon 2009. Mit dieser Natursportveranstaltung wird an einen Meilenstein der europäischen Geschichte erinnert. Auf den Tag genau vor zwanzig Jahre hatten unweit von hier, im Grenzstreifen zwischen Ungarn und Österreich, die Ereignisse ihren Lauf genommen, die wenige Monate später mit der Öffnung der Berliner Mauer die Teilung Europas beenden sollten.
Am Nachmittag des 19. August 1989 hatten ungarische Oppositionelle und die Paneuropa-Bewegung des Europa-Abgeordneten Otto von Habsburg zum „Paneuropäischen Picknick“ an den alten Grenzübergang zwischen dem ungarischen Sopronkőhida (Steinambrückl) und St. Margarethen im Burgenland eingeladen. Geplant war ein fröhliches Fest auf dem ehemaligen Todesstreifen. Nach Jahrzehnten der Trennung sollte für ein paar Stunden ein Europa ohne Grenzen erlebbar werden. Menschen von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs sollten unter dem Motto „Baue ab und nimm mit!“ ein Stück Stacheldraht aus den Sperranlagen schneiden. Tausende Flugblätter mit Einladungen zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung hatten die Organisatoren beiderseits der Grenze verteilt.
Schon Monate zuvor, am 2. Mai 1989, hatte Ungarn mit dem Abbau des Todesstreifens begonnen. In der kommunistischen Führung hatten sich die Politiker durchgesetzt, die aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage Ungarns die Annäherung an die Europäische Gemeinschaft suchten. Der Schießbefehl für die Grenztruppen wurde aufgehoben und der Strom der Elektrozäune abgeschaltet. Bereits am 27. Juni 1989 trafen sich der damalige österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn zu einer symbolischen Grenzöffnung bei Sopron.
150.000 republikmüde, zumeist junge DDR-Bürger waren in diesem August nach Ungarn gereist. In der westdeutschen Botschaft, in der Kirche von Budapest-Zugliget, dem ersten Lager für DDR-Flüchtlinge in Ungarn, und auf den Zeltplätzen am Plattensee warteten sie auf ihre Chance, den Weg durch die hier am schwächsten gesicherte Grenze zum Westen zu finden.
661 dieser DDR-Bürger hatte die Einladung zu dem Paneuropa-Picknick erreicht. Einzeln oder in kleinen Gruppen brachen sie zur Grenze bei Sopron auf. In Sichtweite der Wachtürme ließen sie mit ihren Trabbis ihre wertvollste Habe zurück und ihr früheres Leben hinter sich. Noch fürchteten viele eine Falle, als sie den Weg durch den Todesstreifen suchten, aber niemand hielt sie auf. Erst am Grenztor trafen sie auf überraschte ungarische Zollbeamte, die kurz vor Beginn der Feiern auf die offizielle Delegation von der ungarischen Seite warteten. Die Zöllner hatten zwar weiterhin den Auftrag, illegale Grenzübertritte zu verhindern. Doch als die in ihrer wachsenden Zuversicht immer schneller anströmende Menschenmenge endlich das Tor aufdrückte, mussten sie tatenlos zusehen. Unter dem Beifall hunderter Besucher wurde die erste Massenflucht durch den Eisernen Vorhang zum ungeplanten Höhepunkt des Paneuropa-Picknicks.
In den folgenden Wochen versuchten die Regierungen der Ostblockstaaten vergeblich, ihre Grenzen zum Westen wieder zu schließen. Nach den Ereignissen bei Sopron war der Freiheitsdrang der Menschen nicht mehr aufzuhalten.
Mit der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 endete die Geschichte einer tödlichen Grenze, die heute als europäisches Grünes Band West- und Osteuropa verbindet.
Abbildung: © Paneuropabewegung Österreich -