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Die Geschichte des Segelfliegens nahm ihren Anfang auf der Wasserkuppe der Rhön zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als dieses Gebiet zum idealen Gleitfluggelände erklärt wurde. Aus den ersten Hängegleitern wurden recht schnell auch die ersten Segelflugzeuge entwickelt. Heute stehen dem Segelflieger zwei Varianten von Sportgeräten zur Verfügung: das Segelflugzeug und der Motorsegler. Der Reiz liegt für den Segelflieger im Gleiten mit Hilfe der Thermik. Prinzipiell ist es jedem möglich in einem Segelflugzeug mitzufliegen. Um selbst Pilot zu werden, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, die u. a. eine umfangreiche Ausbildung beinhalten. Das Segelfliegen ist hierzulande relativ weit verbreitet, denn etwa ein Drittel aller Segelflieger weltweit leben in Deutschland. Die Ansprüche des Sports an den Naturraum ergeben sich aus den nötigen Flächen für Start, bzw. Landung sowie bestimmten meteorologischen und topografischen Verhältnissen. Die Auswirkungen auf den Naturraum sind sehr unterschiedlich und abhängig von der Jahreszeit, z.B. von Brutzeiten sensibler Vogelarten, dem überflogenen Gebiet sowie dem Verhalten des Piloten und der Flugplatzbetreiber.
Das Fliegen ohne Motor benötigt eine Starthilfe um in die Luft zu kommen. Die häufigste Startart ist der Schlepp mit einem Motorflugzeug, welches das Segelflugzeug an einem Seil in die Höhe zieht. Meist dauert dieser Vorgang nicht mehr als zehn Minuten. Der Segelflugpilot klinkt das Schleppseil in einem günstigen Moment und nutzt dann die Energie von Sonne und Wind, um in der Luft zu bleiben. Ein Segelflug kann bis zu zehn Stunden dauern.
Verbreitet ist auch die Starthilfe mit einer Seilwinde. Ein langes Drahtseil (700 – 800 m), an dem das Segelflugzeug befestigt ist, wird über eine Windentrommel eingezogen. Nach einer kurzen Beschleunigungsstrecke hebt das Segelflugzeug vom Boden ab und kann am konstanten Seilzug in einen Steigflug übergehen. Auf diese Art lassen sich bis zu vierhundert Meter an Höhe gewinnen, was ausreicht um Anschluss an die Thermik zu finden.
Die meisten Segelflugzeuge haben eine Spannweite von 15 – 18 m und ein Gewicht von 250 bis 350 kg. Durch stetige Leistungsverbesserungen in der Aerodynamik und durch die Anwendung leichter und hochfester Baustoffe ist es gelungen, ein Sportgerät zu entwickeln, das ohne große Höhenverluste lange Strecken gleiten kann und in der Lage ist, weite Distanzen zurücklegen.
Bei günstiger Wetterlage kann ein Segelflugzeug oder Motorsegler hier mehr als zehn Stunden in der Luft bleiben und dabei mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Im Gebirge, wo Hangaufwinde und Wellenaufwinde zusammenkommen, liegt der Weltrekord auf gerader Strecke bei 2170 km. Moderne Segelflugzeuge erreichen 250 km/h, der Höhenweltrekord liegt bei 14.000 Metern.
Piloten von Segelflugzeugen benötigen in Deutschland die so genannte Segelfluglizenz (PPL-C). Das Mindestalter bei Ausbildungsbeginn zum Segelflugzeugführer/In beträgt 14 Jahre und das Mindestalter zum Erwerb der Lizenz 16 Jahre. Die Reisemotorseglerausbildung kann mit 16 Jahren begonnen werden und die Lizenz erhält man frühestens mit 17 Jahren. Voraussetzung für die Ausbildung ist eine vom Fliegerarzt festgestellte Flugtauglichkeit sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Von den weltweit ca. 120 000 aktiven Segelfliegern lebt knapp ein Drittel in Deutschland. Etwa die Hälfte aller Mitglieder im Deutschen Aeroclub (DAeC) sind Segelflieger. Segelflug wird in rund 900 Vereinen des DAeC betrieben.
Auswirkungen auf die Natur
Konflikte zwischen Segelflug und Naturschutz liegen hauptsächlich in der Störung schützenswerter Tiere. Bestimmte Tierarten können durch Luftfahrzeuge vor allem dann gestört werden, wenn ein Mindestabstand zwischen Tier und Fluggerät unterschritten wird. Dies ist beim Segelfliegen hauptsächlich bei Start und Landung der Fall, oder während des Fluges, wenn z.B. Brutgebiete von Greifvögeln tief überflogen werden. Segelfliegen kann bei hangnahem Fliegen bei Tieren wie Gämsen und Steinböcken sowie bei brütenden Vögeln starke Reaktionen auslösen. Von solchen Störungen sind potenziell folgende schützenswerte Vogelgruppen betroffen:
• (Feucht-)Wiesenbrüter (z.B. Brachvogel, Uferschnepfe, Bekassine)
• Felsbrüter (z.B. Steinadler)
• Raufußhühner (z.B. Birkwild)
• Baumwipfelbrüter (z.B. Fischadler)
Da Segelfliegen auf Thermik angewiesen ist, wird vor allem vom Frühjahr bis im Sommer intensiv geflogen, womit sich eine starke Überschneidung mit der Fortpflanzungszeit der Tiere ergibt (Ingold 2005). Im Luftraum zeigen die Erfahrungen der Segelflieger, dass eine friedliche Koexistenz mit den Vögeln möglich ist. Kollisionen zwischen Greifvögeln und Segelflugzeugen sind sehr selten. Dennoch führen verschiedene Greifvogelarten während der Brutzeit Scheinangriffe und gelegentlich auch echte Attacken auf Segelflieger (auch auf Drachen- und Gleitschirmflieger) durch.
Quelle: http://www.natursportinfo.de