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Die Geschichte des Wanderns ist eng mit der Geschichte des Menschen verknüpft, da es sich hierbei um die natürlichste Art der Fortbewegung handelt. Aus diesem Grund ist es auch so gut wie jedem möglich diese Sportart auszuüben, ohne dass viele Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Daher gehört Wandern auch zu den am weitesten verbreiteten Sportarten überhaupt. Der besondere Reiz des Sports liegt in der direkten Erfahrung der Natur während der Wanderung. Mit der Zeit haben sich verschiedene Varianten der Sportart entwickelt, die zum einen neues Gelände erschlossen haben (Schneeschuhwandern) oder den Trainingseffekt in den Vordergrund stellten (Nordic Walking).
Der Begriff Wandern bezeichnet im eigentlichen Sinne das "zu- Fuß-Gehen in der Landschaft über größere Strecken (zum Spaß/Sport)". Das Wandern ist eine sportliche Disziplin ohne Wettkampfcharakter, bei der einzelne Personen oder Gruppen Wegstrecken zwischen 5 und 50 km pro Tag zurücklegen. Bei den Wanderformen lassen sich je nach Dauer Tageswanderungen von Mehrtagestouren unterscheiden. Letztere können vom selben Standort aus in Angriff genommen oder aber mit täglich wechselndem Quartier durchgeführt werden (hier sind unter bestimmten Umständen die Grenzen zum Trekking, siehe unten, fließend). Von "Wandern" spricht man auch in anderen Zusammenhängen: Radwandern mit dem Fahrrad, Wasserwandern mit dem Kanu und Skiwandern mit Touren-/ Langlaufski oder Schneeschuhen weisen ähnliche Merkmale wie das Wandern zu Fuß auf und stellen das Naturerleben nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" in den Vordergrund.
Abbildung: © Michael Pütsch -
Wandern kann weitestgehend altersunabhängig, ohne langwierige Lernprozesse nahezu überall ausgeübt werden und unterliegt keinen grundsätzlichen zeit- und wetterabhängigen Voraussetzungen. Liegt die Wanderstrecke in moderatem Gelände, so halten sich die Kosten im Gegensatz zu anderen material- und vorbereitungsintensiven Sportarten recht gering. Je nach Streckenprofil ist jedoch bei anspruchsvollerem Gelände eine bestimmte Ausrüstung von Vorteil. Spätestens bei langen Wanderrouten im gebirgigen Gelände sind spezielle Wanderschuhe, Wanderstöcke und - falls Gepäck transportiert wird - auch Wanderrucksäcke nötig.
Im Hinblick auf die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade verschiedener Wanderstrecken muss das Anforderungsprofil eines Wanderers differenziert betrachtet werden. Gibt es im flachen oder ebenen Gelände nur geringe Einschränkung für die Sportausübung, sind die Ansprüche an Kondition und Wandertechnik in steilem Gelände ungleich höher. Zudem ist in gefährlichem Gelände (Gletscher etc.) eine entsprechende Ausbildung oder die Betreuung durch einen Bergführer anzuraten. Weiterhin ist das Betretensrecht, welches in unterschiedlichen Gesetzen geregelt wird, zu beachten. Eine dementsprechend gründliche Tourenplanung schützt vor unliebsamen Überraschungen (Schwierigkeit der Tour, Länge, Routenverlauf, Wetterentwicklung, etc.).
Abbildung: © Thorsten Wiehle -
Für den Großteil der Wanderer stehen traditionelle Anreize wie Naturgenuss und Wohlbefinden im Vordergrund. Besonders beliebt sind offene Waldgebiete, die Nähe von Gewässern, Gebirgsstrukturen und variierende Vegetation. Die Wanderer bevorzugen meist möglichst naturbelassene Wege, während asphaltierte Strecken als unangenehm empfunden werden. Der Wanderer erwartet weiterhin ein gut organisiertes Wanderleitsystem im Gelände, welches ihm als direkte Orientierungshilfe bei der Wanderung dient. Hier bietet sich ein System von Wanderwegen an, dass zwischen den Bedürfnissen des Wanderers und denen des Naturschutzes vermittelt. Diesem abgestimmten System kommt eine Lenkungsfunktion in Hinblick auf Besucherströme zu, die besonders für ökologisch sensible Räume relevant ist.
Abbildung: © Barbara Engels -
Wandern und Wanderbetrieb kann einen stärkeren Einfluss auf Natur und Landschaft haben, als gemeinhin angenommen wird. Ökologische Auswirkungen ergeben sich vor allem durch die wanderbedingte Mobilität, die aufgrund der überdurchschnittlichen Anfahrtswege und vielen Fahrten einen erheblichen Teil der Sportmobilität ausmacht.
Wanderer können Tiere beidseits eines Weges stören. Vögel verziehen sich, meiden wegnahe Bereiche oder sind beunruhigt. Die beeinflusste Fläche ist vergleichsweise klein, wenn sich die Wanderer an die Wege halten. Zudem kann der Bau von Wanderwegen bei falscher Terrassierung oder schlechter Standortwahl ökologisch bedenklich sein.
Insgesamt haben Wanderwege aber auch eine wichtige Funktion als Besucherlenksystem, durch das die Wanderer weniger in ökologisch sensible Bereiche, sondern eher in die belastbareren Gebiete gelenkt werden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Wanderverbänden und Naturschützern konnten solche Lenksysteme schon realisiert werden.
Belastungen des Naturraumes können aber trotzdem auftreten, z.B. durch die mangelhafte Entsorgung der Abfälle und Abwässer von Berghütten oder Berggasthäusern, wodurch es zu Verunreinigungen des Grund- und Oberflächenwassers kommen kann. Störungen der Natur können ebenfalls durch verbotenes Verhalten, wie das Mitführen von Hunden ohne Leine, das Pflücken geschützter Pflanzen, wildes Parken oder das Zurücklassen von Müll in der Landschaft sowie durch unerlaubtes Verlassen der Wege hervorgerufen werden. Letzteres gilt allerdings nur für geschützte Gebiete mit Wegegebot, denn nicht jeder Bereich ist derart empfindlich und häufig stellt ein Verlassen des Weges keine nennenswerte ökologische Belastung dar.
Totalverbote des Betretens naturnaher Bereiche sind nur dort ökologisch notwendig, wo sich bedrohte Arten aufhalten (z.B. Auerhuhn, Birkhuhn, Adler, Wanderfalke, Uhu, Biber), die dadurch geschützt werden können oder wo sich empfindliche Vegetationskomplexe wie z.B. Moore befinden.
Bei einer hohen Frequentierung von sogenannten "Alternativwegen", die meist durch Abkürzungen des ursprünglichen Serpentinenweges entstanden sind, kann die Natur dauerhaft geschädigt werden. Hier können sich durch Erosion tiefe Rinnen bilden, die der Sanierung bedürfen, um einer weiteren Bodenabspülung entgegenzuwirken. Weitere Beispiele für ähnliche Auswirkungen finden sich unter Laufen und Fahrradfahren.
Neben der Intensität der Wanderung, die abhängig ist von der Kondition des Wanderers und der Beschaffenheit des Geländes, differenziert sich die Sportart noch in weitere Disziplinen, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben.
Längst gehören die Wanderer mit zwei Stöcken zum gewohnten Anblick in Deutschlands Wäldern und Parks. Noch vor wenigen Jahren unbekannt, hat die sanfte Bewegungsart einen rasanten Aufstieg auf der Beliebtheitsskala der Fitnesssportarten genommen. Sie ist am wirkungsvollsten in leicht hügeligem Gelände, kann aber auch überall effektiv trainiert werden und Spaß machen. Im Frühjahr 1997 wurde die Sportart in Finnland vorgestellt. Inzwischen betreiben allein dort ca. 1 Million Menschen diesen Ganzjahressport. Die Entwicklung des Nordic-Walking erfolgte aus einer Sommer-Trainingsmethode der Athleten aus den Bereichen Langlauf, Biathlon und der Nordischen Kombination. Zusätzlich zum geeigneten Schuhwerk sind zwei spezielle Stöcke nötig, die während des Gehens eingesetzt werden.
Die Lauftechnik des Nordic-Walking gleicht der Bewegungsausführung des Skilanglaufes und ist sehr einfach zu erlernen. Nordic-Walking nutzt den physiologischen, diagonalen Bewegungsablauf beim Walken durch den bewussten Stockeinsatz. Gerade für Menschen mit Gewichtsproblemen und Sporteinsteiger, aber auch bei Rücken- und Gelenkproblemen ist Nordic Walking eine ideale Sportart. Durch das Abstützen auf den Stöcken werden Wirbelsäule, Knie- und Fußgelenke entlastet. Auch Bauch-, Brust- und Armmuskeln werden stärker als beim "normalen" Walking eingesetzt. Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur werden vermieden und bestehende sogar gelockert. Auch für ältere Menschen ist die Ganzjahressportart bestens geeignet, denn die Walking-Stöcke geben Halt im unebenen Gelände und bei rutschigem Untergrund.
Abbildung: © Michael Pütsch -
Streng genommen bezeichnet der Begriff Trekking eine besondere Form des Wanderns: Das Zurücklegen einer Strecke über längere Zeit bei gleichzeitigem Verzicht auf Übernachtungsmöglichkeiten. Die Übernachtung erfolgt unter freiem Himmel, im Zelt oder in einem Biwak - beispielsweise einem Blachen-, Schnee- oder Steinbiwak.
Trekking unterscheidet sich vom Weit- oder Fernwandern (z.B. entlang des Jakobswegs), indem auf eine Infrastruktur wie Hütten oder Herbergen verzichtet wird. Heute hat sich aber der Begriff "Trekking" oder "Trek" als Sammelbegriff für Wanderungen von Ort zu Ort durchgesetzt. Man ist mit Rucksack unterwegs, übernachtet und verpflegt sich in Hütten und zieht am nächsten Tag wieder weiter - immer weiter. Man ist drei Tage unterwegs - oder auch Monate lang.
Im Allgemeinen gehören Trekking und Biwakieren zu den Natursportarten, die den Naturraum sehr wenig beeinflussen. Das Verweilen in zivilisatorisch wenig beeinflussten Landschaften fördert sogar - mehr als bei anderen Sportarten - den unmittelbaren, bewussten Kontakt mit der Natur. Der Bau von Trekking-Pfaden kann zwar bei schlechter Standortwahl ökologisch bedenklich sein. Andererseits können sie die Funktion eines Besucherlenksystems erfüllen, durch das die Fernwanderer weniger in ökologisch sensible Bereiche, sondern eher in die belastbareren Gebiete gelenkt werden. So ist es Ehrensache, dass die örtlichen Ge- und Verbote in Bezug auf besonders ausgewiesene Gebiete (Natur- und Wildschutzgebiete, militärische Sperrgebiete, bewilligungspflichtige Gebiete) beachtet werden. Je nach Kanton oder Land darf man auf privaten Grundstücken nicht biwakieren oder braucht die Bewilligung des Besitzers.
Das Prinzip "Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit außer deinen Eindrücken" sollte immer beachtet werden.
Belastungen und Störungen des Naturraumes können aber trotzdem auftreten, z.B. durch verbotenes Verhalten wie das Mitführen von wildernden Hunden, das Pflücken geschützter Pflanzen, das Zurücklassen von Müll sowie durch unerlaubtes Verlassen der Wege. Letzteres gilt allerdings nur für geschützte Gebiete mit Wegegebot, denn nicht jeder Bereich ist derart empfindlich und häufig stellt ein Verlassen des Weges keine nennenswerte ökologische Belastung dar. Betretensverbote sind nur dort ökologisch notwendig, wo sich empfindliche Vegetationskomplexe wie z.B. Hochmoore befinden oder wo sich bedrohte Tierarten aufhalten (z.B. Auerhuhn, Adler, Biber). Tiere wie Pflanzen können dadurch gezielt geschützt werden. Zudem dürfen beim Biwakieren keine Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden. Beim Anlegen von Feuerstellen ist darauf zu achten, dass die Feuerstellen und der daraus resultierende Landschaden so klein wie möglich gehalten werden. Eine Umrandung mit Steinen ist sinnvoll, um die Ausdehnung des Feuers zu unterbinden. Feuer wie auch Glut sind vor dem Verlassen der Feuerstelle unbedingt mit Wasser zu löschen, so dass kein Waldbrand entstehen kann. Bei trockener und windiger Witterung sind Feuer ganz zu unterlassen: das Entstehungsrisiko eines Waldbrandes, der verheerende Folgen haben kann, ist niemals zu unterschätzen!
Quelle: http://www.natursportinfo.de