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28.08.2009

Naturathleten segeln übers Grüne Band
Am Point Alpha verlassen NaturathletInnen ehemalige Grenze
Biosphärenreservat Rhön – eine Perle am Grünen Band

Geisa/Rasdorf/Bonn/Wien, 28. August 2009:
Der explosivste Ort am Grünen Band zu Zeiten des Kalten Krieges war Point Alpha. Der ehemaliger US-amerikanischer Grenzbeobachtungsposten befindet sich an der alten innerdeutschen Grenze zwischen dem hessischen Rasdorf und dem thüringischen Geisa. Sir Peter Ustinov nannte ihn den „gefährlichsten Ort der Welt“. Nirgendwo in Europa standen sich kampfbereite Armeen der feindlichen Großmächte USA und UDSSR auf so engem Raum gegenüber wie im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen. An diesem symbolträchtigen Geschichtsschauplatz, wo der Eiserne Vorhang am Weitesten nach Westen reichte, verließen die 24 internationalen Naturathleten das Grüne Band in Richtung Europa Parlament. „Damit haben wir eine Brücke zwischen dem Paneuropäischen Picknick Platz, wo das erste Loch in den Eisernen Vorhang gerissen wurde, und dem traurigen Höhepunkt des kalten Krieges geschlagen. Das Grüne Band hat sich heute von der Todeszone zur Lebenslinie entwickelt. Die Naturathleten sind beim Naturathlon – Natur grenzenlos zu Naturschützern und Friedensbotschaftern geworden“, sagte Franz Emde, Projektleiter des Naturathlons.

„Man konnte aus den Gesichtern der Sportler das Auf und Ab ihrer Gefühle lesen. Während die Naturschönheiten und die sportlichen Höhepunkte wie das heutige Segelfliegen die Herzen höher schlagen ließen, so bewegend waren die Besuche der Grenzmuseen und Gedenkstätten wie Point Alpha und Mödlareuth für die Sportlerinnen und Sportler“, so Emde. Michail Gorbatschow brachte dies in seinem Grußwort auf den Punkt. Das Grüne Band sei „ein erstaunliches Paradoxon, das nach Beendigung des Kalten Krieges zutage trat. Es zeigte sich, dass die Natur von der Situation auf ihre Weise profitierte: Auf dem in der Vergangenheit für die meisten Menschen unzugänglichen Grenzstreifen blieben zahlreiche Vertreter von Flora und Fauna erhalten, die andernorts bereits spurlos verschwunden waren. Wie ein russisches Sprichwort besagt: Es gäbe kein Glück, hätte das Unglück nicht geholfen“, sagte der ehemalige Präsident der Sowjetunion. Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher ergänzte in seiner Grußbotschaft: „Die schreckliche Grenze dürfen wir niemals vergessen. Jetzt hat sie ein menschliches, ein natürliches Gesicht erhalten“, so Genscher.

Sehr begeistert zeigten sich die Naturathleten von der Hilfsbereitschaft der Menschen am Grünen Band während der Tour. „Überall wo wir waren haben uns die Leute freundlich gegrüßt, die Wege gezeigt und geholfen. Europa wächst wirklich zusammen“, sagte Marian Valovic aus der Slowakischen Republik.

Der heutige Segelflugtag führte die NaturathletInnen von der Wasserkuppe aus hoch über das Biosphärenreservat Rhön, das früher durch den Eisernen Vorhang durchschnitten war. Diese Aktion bildete dann auch den sportlichen Abschluss des Naturathlons am Grünen Band. Die Rhön weist sehr unterschiedliche Landschaftsbilder auf. So wechseln sich reich gegliederte Mittelgebirgslandschaften und Hochplateauflächen auf Basaltmassiven im Süden mit den Vulkankegeln der nördlichen Kuppenrhön ab.
Von Natur aus würde die Rhön fast ausschließlich aus Buchenwäldern und Buchenmischwäldern, die von zahlreichen Bergbächen und einzelnen Mooren unterbrochen werden, bestehen. Die Menschen nutzten diese Buchenwälder schon vor über tausend Jahren zur Herstellung von Holzkohle, um damit Eisen zu verhütten und Glas zu schmelzen. Deshalb ist die Rhön schon seit langer Zeit nur sehr gering bewaldet. Große, offene Grünlandflächen prägen die Hochlagen der Rhön. Aus diesem Grunde wird die Region als das "Land der offenen Fernen" bezeichnet.
Der höchste Berg in der Rhön ist die Wasserkuppe. Hier nahm die Geschichte des Segelfliegens ihren Anfang zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aus den ersten Hängegleitern wurden recht schnell auch die ersten Segelflugzeuge entwickelt. Heute stehen dem Segelflieger zwei Varianten von Sportgeräten zur Verfügung: das Segelflugzeug und der Motorsegler. Der Reiz liegt für den Segelflieger im Gleiten mit Hilfe der Thermik. Die Ansprüche des Sports an den Naturraum ergeben sich aus den nötigen Flächen für Start, bzw. Landung sowie bestimmten meteorologischen und topografischen Verhältnissen. Die Auswirkungen auf den Naturraum sind sehr unterschiedlich und abhängig von der Jahreszeit, d.h. z.B. von Brutzeiten sensibler Vogelarten, dem überflogenen Gebiet sowie dem Verhalten des Piloten und der Flugplatzbetreiber. Mit der intensiven Kooperation zwischen dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Deutschen Aero Club (DAeC) wurde die Natursportart Segelfliegen weiterentwickelt und zum Wohl der Natur optimiert.

Der „NATURATHLON 2009 - Natur grenzenlos“ findet bis zum 30. August 2009 statt. 24 SportlerInnen aus den sechs Anrainerstaaten (Deutschland, Österreich, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn) des zentraleuropäischen Grünen Bandes folgen mit dem Fahrrad dessen Verlauf. Zwischen 19. und 30. August 2009 geht es über 1.600 km auf abwechslungsreicher Strecke durch die schönsten Naturregionen Europas entlang bis Point Alpha/Rhön und dann weiter bis zum Europäischen Parlament in Straßburg. Veranstaltet wird der NATURATHLON 2009 vom deutschen Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem österreichischen Umweltbundesamt.
Die NaturathletInnen werden täglich in unterschiedliche Teams aufgeteilt: während die GigantInnen per Fahrrad täglich bis zu 200 km zurücklegen, müssen die EntdeckerInnen tatkräftig bei Naturschutzaktionen anpacken und sich in unterschiedlichen Natursportarten wie Klettern, Laufen, Kanu fahren und viele andere mehr beweisen.

Das europäische Grüne Band
Das europäische Grüne Band (ehemaliger Eiserner Vorhang) bildet eine 12.500 km lange Biotopverbundachse mit vielen Querverzweigungen und großen unberührten Naturgebieten – aufgereiht wie in einer Perlenkette. Als Folge der störungsarmen Grenzlage ist am Grünen Band ein miteinander verbundenes System von Naturflächen entstanden, das in dieser Dimension vom Eismeer bis zum Mittelmeer/Schwarzen Meer bzw. in Deutschland von der Ostsee im Norden bis zum Fichtelgebirge/Vogtland im Süden, einzigartig ist.

Live den Naturathlon verfolgen
ZuschauerInnen können den Naturathlon unter www.naturathlon.eu hautnah über interaktives web-tv erleben. Innerhalb der Mediathek können auch alle Aktionen rückwirkend verfolgt werden.
Achtung die nächste Live-Übertragung ist Morgen, am 29.08.09

Pressekontakt während des Naturathlons: +491722027081, +4916090614875



27.08.2009